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Transportweg Wasser

Der Ursprung der Ybbsflößerei

Der große Bedarf an Holz und Holzkohle der Zerrenhämmer bedingte deren Verlegung in die wasser- und holzreichen Täler der Salza, Enns und Ybbs. Schon im Urbar der Herrschaft Freising aus dem Jahre 1316 werden in Hollenstein sechs und in Göstling drei Eisenwerke genannt, deren Holzbedarf aus den Herrschaftswäldern gedeckt werden musste. Aber nicht nur die Eisenwerke, sondern auch die rasch entstehenden Siedlungen hatten einen entsprechenden Bedarf an Bau- und Brennholz. Auch Waidhofen hatte mit diesen Problemen zu kämpfen, da der stadteigene Waldbestand bei weitem nicht reichte. So suchte man nach der rationellsten und billigsten Transportmöglichkeit, die zu diesen Zeiten also das Wasser darstellte.

So entstand schon frühzeitig der Holzschwemm- und Floßbetrieb.

Befasst man sich mit der bis Mitte 20.Jahrhundert erschienen Literatur über die Ybbsflößerei, dann hat diese einen gemeinsamen Nenner, was ihren zeitlichen Beginn begrifft. Dr. Becker, Dr. Stephan und Hierhammer geben hierfür das Jahr 1783 an. Die im Archiv der Stadt Waidhofen vorliegenden urkundlichen Nachweise zeigen aber, dass zumindest die Flößerei auf der Ybbs um einige Jahrhunderte älter ist, als bisher angenommen wurde. Schon 1555 wird bei einer Ratssitzung unter der Überschrift „Holzflößer Supplicien“ (zu Deutsch: Ansuchen der Holzflößer) darauf hingewiesen, dass sich diese wegen der Bezahlung für das der Stadt gelieferte Holz beschweren.

Die erste Floßfahrt

Noch im Jahre 1865 wurde eine Probefahrt durchgeführt. Vorher wurde noch das Flussbett für die Durchfahrt von größeren Flößen hergerichtet. Felsen wurden gesprengt und die Wehren mit so genannten Floßgassen versehen. In Amstetten wurde zur Verwertung des geflößten Langholzes die Dampfsäge Konkoridie um 200.000fl in Waidhofen, Hollenstein und Göstling wurden Wassersägen um 46.000fl eingerichtet. Am 1. März 1866, vor also 140 Jahren, wurde das erste Floß von Hollenstein nach Waidhofen um 11 Uhr vormittags abgelassen, das nach vier Stunden Fahrt auf einen Felsen auffuhr, der zu wenig gesprengt worden war. Am nächsten Tag konnte es seine Fahrt fortsetzen, sodass es um 6 Uhr abends ankam. Diese Fahrt machten neben den beiden Floßmeistern koch und ihren Knechten auch die Eigentümer der Herrschaft, Heinrich Schlumberger, Friedrich und Karl Götz sowie die Forstmeister von Hollenstein und Opponitz mit. Anschließend gab es einen großen Festschmaus im Schloss. Die Weiterfahrt erfolgte am nächsten Tag, an dem es am Abend nach Amstetten ankam. (Man sieht hier also den deutlichen Unterschied zum heutigen Transport. Holz könnte heute innerhalb eines Tages geschlägert und zur Weiterverwertung abtransportiert werden. Sehr viel schneller ist alleine der Transport. Trotzdem glich diese erste Floßfahrt einem Fest, wie man im Text deutlich erkennen kann.) Dieses Ereignis hat Josef Gabriel Frey bildlich festgehalten. Dieses Bild befindet sich im Museum der Stadt Waidhofen und hat folgenden Text. „1866- Am ersten Tag im März, ist die Floßfahrt gemacht worden auf der Ips (Ybbs) von Hollenstein nach Amstetten, hatten 31 Flöße aneinander über 400 Bäume. Dieweil die Ips besteht, ist dieses nie geschehen. Ehre und Achtung den Unternehmern. 1880 das Floßfahren wiederum aufgehört, wegen mangel am Holz.“

Aufnahme einer FloßfahrtTatsächlich bestand dieses Floß aus 33 Einzelflößen mit zusammen über 600 Baumstämmen. Im gleichen Jahr wurden noch 87 ähnlich Floße und in den späteren Jahren 90 bis 100 Flöße befördert. Durchschnittlich waren neben dem Floßmeister noch 14 Mann bei einem Transport beschäftigt.

Geschichtlicher Überblick der Flößerei

Die bisher wiedergegebenen Aufzeichnungen aus den Waidhofner Ratsprotokollen dürften als Nachweis genügen, dass das Schwemmen und Flößen auf der Ybbs wesentlich älteren Ursprung ist als bisher angenommen wurde. Demnach kann auch das im Jahre 1745 von der Kaiserin Maria-Theresia erlassene Schwemmprivileg für Erlauf, Salza und Ybbs nicht als erstmalige Maßnahme zur Errichtung der Flößerei auf diesen Flüssen bezeichnet werden. Dieses, an Franz Giegl ergangene kaiserliche Privileg, benützte dieser vorerst nur zum Flößen auf Erlauf und Salza. Erst dessen Rechtsnachfolger, Josef Edler von Tobenz, flößte in den Jahren 1783 bis 1792 auf der Ybbs. Von 1819 bis 1865 ruhte dann die Holzflößerei auf der Ybbs, nur die Herrschaft Gaming schwemmte seit 1824 Scheiterholz bis Langau. Im Jahre 1865 besichtigte die Straßburger Holzhandelsfirma Andree Götz und Brüder mit dem Schwarzwälder Floßmeister Abraham koch die Staatsforste. Da man wusste, dass Flößung von Langholz auf der Ybbs möglich war, kaufte die Firma Götz die Herrschaft um 1.000.000 fl. Das Ansuchen um Bewilligung zum Flößen von Lang- und Bauholz auf der Ybbs, dem Stein- und Göstlingbach wurde am 13. Februar 1865 gestellt. Die Firma Götz musste im Jahre1880, zur Zeit als Baron Rothschild durch Ankauf der Domänen Lunz, Hollenstein und Gaming das Wasserrecht erwarb, ihren Betrieb einstellen und Abraham Koch sich um weiteren Verdienst umsehen. Er kaufte im Jahre 1893 das Sägewerk „Schwellöd“, das sich einst an Stelle des heutigen E-Werkes befand, und blieb so, im übertragenen Sinne, mit der Holzindustrie weiterhin verbunden. In den letzten Kriegsjahren des 1. Weltkrieges verkaufte er dieses an die Stadtgemeinde Waidhofen an der Ybbs, die dieses Sägewerk zu einem modernen Kraftwerk ausbaute.

Technische Begriffe der Flößerei

Vorrangig war erst einmal der Transport des geschlagenen Holzes aus den entlegenen Bergwäldern zu den Flüssen. Dabei benutzte man so genannte Riesen (siehe Bild rechts unten). Es gab Holz- und Wasserriesen. Holzriesen kann man nur im Frühling verwenden, wenn der Schnee schmilzt. Am Fuß der Berge errichtete man wasserhältige Riesen, in deren oberes Ende man Wasser einfließen ließ, das die Scheiter und Stämme möglichst weit fortreißen ließ, das die Scheiter und Stämme möglichst weit fortreißen sollte.

Befördert wurde grundsätzlich nur Langholz. Dieses wurde zu den Einbindestätten in der Langau, Göstling oder Hollenstein gebracht. Dort wurden die Stämme zu Flößen gebunden, wozu man die „Wieden“ benutzte. Es waren dies hölzerne Stricke aus Haselstauden, Birken oder jungem Nadelholz. Ein Einzelfloß, auch „Gestör“ genannt, hatte 4,5 bis 7 m Breite. In der Mitte des Floßes war das „Plunderhäuschen“, eine bretterne Hütte, angebracht. Das erste Gestör, auch „Vorholz“ genannt, war leichter und schmäler, da es die Führung und das Steuerruder hatte.

In diesem Zusammenhang seien noch zwei Begriffe, die für das Schwemmen bzw. Flößen des Holzes von größter Bedeutung sind, besprochen. Der Rechen, quer über und im Wasser angebracht, musste so stark sein, dass er dem Anprall eines Hochwassers widerstehen konnte, zugleich aber so zweckmäßig, dass kein Stück Schwemmholz entschlüpfte. Der zweite Begriff ist der der Klause. Bei Niederwasser war ein Schwemmen bzw. Flößen praktisch unmöglich. So errichtete man Schleußen, hier Klausen genannt, deren aufgestaute Wassermassen – plötzlich abgelassen – den Wasserstand so weit erhöhten, dass geflösst werden konnte. Die Klausen sind bei allen bisher genannten Gewässern in Anwendung gewesen. In der Langau gab es eine Oisklause. Die großartigste  Klause ist die heute noch bestehende und in den Jahren 1839 bis 1846 von der k.k. Hauptgewerkschaft errichtete Brescenzklause unterhalb von Weichselboden

'Schleusse' von Chamchela Wirbelwind

Einige Zahlen, wieviel Holz von der Ybbs befördert wurde: 1866/67 wurden 44.210 Festmeter und 1868 55.260 Festmeter abgesteckt. Hiervon gingen 8.000 Festmeter als Bauholz nach Wien, 32.000 Festmeter wurden in Amstetten, der Rest an anderen Wassersägen verschnitten. Wie schon erwähnt, fand mit Ankauf der Herrschaft durch Rothschild die Flößerei auf der Ybbs ihr Ende.


























Quellen: