Wasser als Energiequelle
Wasser war immer schon in Waidhofen Energiequelle gewesen. In früheren Zeiten als Antrieb von Wasserrädern zum Betrieb von Hämmern, Schleifen und Mühlen. Ab dem 1900 wurde das Wasser aber vermehrt zur Erzeugung von Elektrizität verwendet.

Erfindung des Wasserrads
Mit der Erfindung des Wasserrades konnte die technische Entwicklung der Energiegewinnung und –verarbeitung ab dem 14. Jahrhundert große Fortschritte machen. Beim Schmelzvorgang wurden nun die Blasbälge mit der Kraft des Wassers betrieben und auch die Weiterverarbeitung des Rohmaterials in den Hammerwerken erfolgte nicht mehr händisch. Man errichtete daher ab dem 14. Jahrhundert die Hammerwerke an den Flussläufen in gefällereichen Tallagen, so auch im oberen Ybbstal. Nicht nur für die Trennung des Weicheisens von Stahl, sondern auch bei der Verarbeitung in den zahlreichen Schmieden und Schleifen wurde die Wasserkraft genutzt.

Errichtung des 1. Wasserkraftwerks
Der Kaufmann Florian Mayr ließ ein kleines Wasserkraftwerk installieren, das am 29. Mai 1886 "in und vor Frau Ertls Brauhaus die erste elektrische Flamme" erstrahlen ließ. Bis zur Eröffnung des Jubiläumswerks, der städtischen "Wasserkraftzentrale", vergingen freilich noch 15 Jahre.
Errichtung des Wasserkraftwerks „Jubiläumswerk“
Das aus Anlass des 50jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef im Jahr 1898 erbaute Kraftwerk Jubiläumswerk in Waidhofen an der Ybbs ging am 1.Februar 1901 in Betrieb. Durch die Eröffnung des „Kaiser Jubiläums-Elektrizitätswerks“ der Stadt Waidhofen wird erstmals eine ausreichende Straßenbeleuchtung in den Nachtstunden möglich. Die Stadt Waidhofen zählt sich zu dieser Zeit zu den bestbeleuchtesten Städten der Monarchie.
Ab Oktober 1995 wurde das Kraftwerk einem umfassenden Umbau unterzogen, der im Frühjahr 1997 abgeschlossen werden konnte. Das Kraftwerk wurde dabei entsprechend dem neuesten Stand der Technik und unter Berücksichtigung ökologischer Erfordernisse erneuert. Die Errichtung einer Fischaufstiegshilfe bei der Wehranlage und naturnahe Ufer- und Flussbettgestaltung haben auch hier deutliche ökologische Verbesserungen gebracht.
Nach dem Umbau können nun im Kraftwerk bei einer Leistung von 1,9 MW pro Jahr etwa 9,28 Millionen Kilowattstunden elektrische Energie aus erneuerbarer, umweltfreundlicher Wasserkraft erzeugt werden. Das bedeutet eine Steigerung gegenüber der früheren Jahreserzeugung von rund 75 Prozent.
Errichtung des Wasserkraftwerks „Schwellöd“
Um Einersteiß dem steigenden Bedarf gerecht zu werden und andererseits auf zukünftige Notsituation besser vorbereitet zu sein, musste die Kraftwerkskapazität erhöht werden. Bereits während des Ersten Weltkrieges wurde ein Projekt für ein zweites Wasserkraft an der Ybbs, das Kraftwerk Schwellöd, vom Waidhofener Ingenieur Karl Haas jun. ausgearbeitet. Das an der Stelle des zukünftigen Kraftwerks gelegene alte Sägewerk hatte die Gemeinde bereits erworben.
Am 8. April 1921 fasste der Gemeinderat den einstimmigen Beschluss, das Kraftwerk Schwellöd umgehend zu bauen. Das Baukapital sollte im Wege einer Anleihe in der Höhe von 60 Millionen Kronen aufgebracht werden. Bürgermeister Waas wandte sich erneut an die Bevölkerung und lud sie ein, "im Geiste des Fortschritts" das Projekt durch namhafte Zeichnung zu unterstützen.
Tatsächlich waren die zwanziger Jahre eine äußerst erfolgreiche Periode im Ausbau der österreichischen Wasserkräfte. Von Niederösterreich bis Vorarlberg wurden zahlreiche neue Wasserkraftwerke gebaut, die die Abhängigkeit von Brennstoffimporten stark verringerten und das Elektrizitätsangebot mehr als verdoppelten.
Im Sommer 1921 wurde das Flussbett an der Stelle der zukünftigen Wehranlage mittels Bohrungen geologisch untersucht. Das technische Projektierungs- und Baubüro J. Pfletschinger, Wien, erstellte die Detailpläne.
Mit der erwähnten städtischen Anleihe schien das Baukapital gesichert zu sein und die Arbeiten am Kraftwerk konnten am 1. Oktober 1921 beginnen. Die Ybbs erwies sich jedoch wieder einmal als besonders launenhaftes Gewässer und spülte am Ende des ersten Baumonats bei einem schweren Hochwasser den hölzernen Fangdamm weg, der die Herstellung des Wehres sichern sollte.

Beim Bau des Kraftwerks Schwellöd waren bis zu 200 Personen beschäftigt. Es gelang, die Kraftwerksanlagen innerhalb von zwei Jahren zu vollenden. Am 17. September 1923 wurde die erste Turbine feierlich in Betrieb gesetzt. Am 25. September nahm der zweite Maschinensatz den Probebetrieb auf.
Im Parallelbetrieb mit dem Jubiläumswerk und der gelegentlich zugeschaltete Dieselzentrale versorgte das neue Kraftwerk fortan das wachsende, von Waidhofen ausstrahlende Netz. Beide Wasserkraftwerke erzeugten bis zu ihrem Neubau Mitte der neunziger Jahre ununterbrochen Strom - ein Hinweis auf die große Dauerhaftigkeit und langfristige Rentabilität von Wasserkraftanlagen.
Die wichtigsten technischen Daten des alten Kraftwerks Schwellöd:
Wehranlage: Dachwehr aus zwei Feldern mit je 19 m Durchflussbreite, Stauhöhe: ca. 4,5 m (1926 und 1953 geringfügig erhöht). Zwischen dem Dachwehr und dem Einlauf in den Oberwasserkanal befand sich ein 3,7 m breiter Grundablass.
Länge des Oberwasserkanals, durch den das Treibwasser dem Krafthaus zugeführt wurde: 70 m, Gesamtlänge der Entnahmestrecke: 150 m.
Turbinen: 2 Francis-Zwillingsturbinen mit je 414 PS Leistung bei 187,5 Umdrehungen pro Minute, Schluckfähigkeit: 7,5 m³/sek, Gefälle 5,3 m.
Francisturbine
2 Generatoren mit waagrechten Achsen direkt mit den Turbinen gekoppelt,
Abgabe von Drehstrom, Spannung: 3300 V, Frequenz: 50 Perioden, Generatorleistung je 385 kW, zusammen 770 kW.
Engpassleistung des Kraftwerks nach dem 1938 erfolgten Einbau eines neuen Maschinensatzes 1 mit einer Kaplanturbine mit vertikaler Achse: 850 kW
Regelarbeitsvermögen pro Jahr: 4 Mio. kWh.
Verteilung der Neugeschaffenen Kapazitäten
Zur Verteilung der Neugeschaffenen Kapazitäten wurden Hochspannungsleitungen gebaut, die allmählich ein überregionales Verbundnetz entstehen ließen.
In Niederösterreich baute die 1922 gegründete Landesgesellschaft NEWAG eine Reihe von Wasserkraftwerken und schritt daran, die teilweise noch isolierten regionalen Netze, die sich um Städte wie Waidhofen entwickelt hatten, zu verbinden. 1922 hatten die Waidhofener Elektrizitätswerke bereits mit 30 Gemeinden langfristige Lieferverträge abgeschlossen.
Quellen:
· Waidhofener Archiv
· Waidhofener Museum